Am 7. September 1919 nahm die erste Waldorfschule in Stuttgart ihre Arbeit auf. Heute, knapp hundert Jahre später, reicht das globale Netzwerk von über 1.000 Waldorfschulen und mehr als 2.000 Waldorfkindergärten von Berlin bis nach Beijing, von Alaska im hohen Norden bis zu seinem Antipoden Auckland und jeder bewohnten Landmasse dazwischen.

Die Waldorfpädagogik will innerhalb der spezifischen kulturellen, religiösen, geografischen, ethnischen, politischen und ökonomischen Bedingungen der einzelnen Schulstandorte diejenigen Fähigkeiten fördern und entwickeln, die das individuelle Potenzial eines jeden Menschen ausmachen.

Jede Schule und jeder Kindergarten wurde mit dem Ziel gegründet, die Kinder bei ihrer Entwicklung zu freien und verantwortungsfähigen Individualitäten zu unterstützen. So gut wie alle Einrichtungen wurden durch lokale Initiativen von Ortsansässigen gegründet und verwirklichen so ein wesentliches Element der Zivilgesellschaft: Partizipation und Demokratie. Schließlich unterstützen sich die Waldorfschulen und Kindergärten weltweit und praktizieren damit eine globale Solidarität.

„Global denken, lokal handeln“ lautete das Motto der 1992 in Rio de Janeiro verabschiedeten Agenda 21. In diesem Geiste haben sich vielfältige Beziehungen der Waldorfschulen über alle Kontinente gebildet. Zweimal jährlich kommen Waldorfpädagogen aus allen Teilen der Welt zur „Internationalen Konferenz der Waldorfpädagogischen Bewegung – Haager Kreis“, zusammen, um über pädagogische und Zeitfragen zu beraten, die einzelne Regionen und die ganze Welt betreffen.

Bei dieser Konferenz entstand der Impuls, das hundertjährige Jubiläum der Waldorfpädagogik zum Anlass für ein weltweites Festival im September 2019 zu nehmen, bei dem sie in ihrer ganzen Vielfalt in Erscheinung tritt und neue Impulse für das pädagogische Leben der Gegenwart und Zukunft setzt – innerhalb und außerhalb der Waldorfschulen.

Waldorfpädagogen aus aller Welt arbeiten gemeinsam daran, das Festival mit vielen lokalen, regionalen, nationalen, kontinentalen und weltweiten Ereignissen Wirklichkeit werden zu lassen. 2019 ist das Jahr, der 19. September 2019 der Tag, an dem die Tiefe und Vielfalt dieses pädagogischen Impulses sichtbar wird.

Alle Schulen und Kindergärten sind eingeladen, mit ihren Ideen und Möglichkeiten zu dem Fest beizutragen. Und weil der Weg dorthin genauso wichtig ist wie das Fest selbst, wird diese Webseite mit den Initiativen und Ideen mitwachsen, bis das Programm steht und von der weltweiten Waldorf-Bewegung geteilt werden kann.

1919 – 2019: Wie sich ein pädagogischer Impuls weltweit individualisiert

Jeden Morgen, wenn die Vögel ihren Gesang mit der aufgehenden Sonne einmal um die Erde wandern lassen, folgt ihnen noch ein weiterer Chor, gebildet von den Waldorfschülern und ihren Lehrern, die Dichtungen und Lieder aus dem kulturellen Erbe der Menschheit sprechen und singen. Auch in den noch viel zahlreicheren Kindergärten erklingen die Kinderstimmen rund um die Welt. Über alle Zeitzonen hinweg engagieren sich jeden Tag Hunderttausende von Menschen durch ihr Lernen, Unterrichten oder Elternsein mit und für die Waldorfpädagogik.

Die erste Waldorfschule wurde noch auf den Trümmern des Ersten Weltkrieges errichtet. In dieser Zeit radikaler Umbrüche engagierte sich Rudolf Steiner intensiv für eine gesellschaftliche Neuordnung, die den Zerstörungen des Krieges strukturell heilende Impulse entgegensetzen wollte. Dabei bezog er die großen Ideale der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit erstmals auf die drei hauptsächlichen Funktions- oder Organisationssysteme moderner Gesellschaften, also das Kultur-, Rechts- und Wirtschaftsleben. Steiner plädierte nachdrücklich für ein Schulwesen, das sich pädagogisch und organisatorisch unabhängig von politischen, ökonomischen oder weltanschaulichen Institutionen entwickeln und organisiert werden sollte. Damit nahm Steiner einen Kerngedanken der modernen Zivilgesellschaft vorweg, der sich inzwischen weltweit verbreitet hat.

Schon 1919 wandten sich die Arbeiter der Stuttgarter Waldorf Astoria Zigarettenfabrik an Emil Molt, den Inhaber des Unternehmens, und forderten ihn auf, eine freie Schule für ihre Kinder einzurichten. Molt bat Steiner, die Leitung der Schule zu übernehmen. Das war der Beginn pädagogischen Bewegung, die sich schnell ausbreitete und bald auch die Kindergartenpädagogik umfasste. Ihr in dieser Konsequenz einzigartiger ganzheitlicher pädagogischer Ansatz findet heute weltweit Anerkennung.

Wo wir heute stehen ...

Steiners Pädagogik war kein vorübergehendes Experiment, sondern erwies sich als ein Impuls für Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt und in ganz unterschiedlichen sozialen, politischen, geographischen, kulturellen und religiösen Lebenszusammenhängen. Das ist nur möglich, weil die Waldorfpädagogik nicht auf einem festgelegten Curriculum basiert, sondern auf dem Verständnis des menschlichen Wesens selbst. Sie ist deshalb ein andauernder „Work-in-progress“, der in ständiger Entwicklung begriffen ist und zugleich ein gemeinsames Forschungsprojekt aller tätigen Pädagogen ist.

2019

wird das weltweite Festival stattfinden, das ganze Jahr hindurch, in den Schulen und Kindergärten, in gemeinsamen Projekten und mit weltumspannenden Aktionen, die schon heute vorbereitet werden.

An dieser Stelle finden Sie schon bald aktuelle Informationen und die neuesten Projekte, Initiativen, Ideen und Gedanken zu dem Welt-Festival aus Schulen und Kindergärten, Ländern, Kontinenten und aus der weltweiten Zusammenarbeit und Vorbereitung und die Kontaktadressen, bei denen Sie Näheres erfahren können.

Kehren Sie also hierher zurück und lassen Sie sich überraschen und zu eigenen Aktivitäten inspirieren!